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News Netzwerk Infektiologie Nr. 35 (August 2020)

Tuberkulose-Risiko bei Kindern

Weltweit sind jedes Jahr Millionen Kinder einem Kontakt mit dem Mycobacterium tuberculosis ausgesetzt. Bisher fehlten jedoch Schätzungen dazu, wie viele dieser Kinder auch eine Tuberkulose entwickeln. Nun haben Forschende der NIH (National Institutes of Health) im Rahmen eines systematischen Reviews und einer Metaanalyse Daten von insgesamt mehr als 137.000 Kindern, die im Rahmen von Kohortenstudien verfolgt wurden, ausgewertet.

Innerhalb von rund 430.000 Personenjahren des Follow-Up wurden 1.299 prävalente (definiert als TB-Diagnose bei der Erstuntersuchung oder innerhalb von 90 Tagen danach) und 999 inzidente Tuberkulose-Infektionen identifiziert. Kinder, die innerhalb des ersten Lebensjahres positiv getestet wurden und keine präventive Therapie erhielten, hatten ein 18%-iges Risiko, innerhalb der folgenden zwei Jahre an TB zu erkranken. Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen beobachteten die Autoren in dieser Untersuchung, dass für Kinder zwischen zwei und fünf Jahren das kumulative Risiko einer TB-Erkrankung bei 19% lag.

Die Autoren schließen, dass das Risiko, eine Tuberkulose zu entwickeln, bei Säuglingen und Kleinkindern immer noch sehr hoch ist. Oft fand die Exposition gegenüber Mycobacterium tuberculosis bereits vor dem ersten Untersuchungskontakt und damit zu spät für eine präventive Therapie statt. Verschiedene Maßnahmen könnten die Situation verbessern, darunter Screening-Programme, die BCG-Impfung bei den Kindern unter 5 Jahren, frühere Diagnose der infizierten Erwachsenen und ein früherer Beginn einer präventiven Therapie.

Abbildung: © PhotographyByMK - Fotolia.com

Martinez L et al. The risk of tuberculosis in children after close exposure: a systematic review and individual-participant meta-analysis. Lancet 2020 Mar 21;395(10228):973-984

Link zur Publikation (der Artikel ist frei verfügbar)

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