STI-Prophylaxe mit Doxycyclin || Morbus Whipple Diagnostik || Antibiotika-Therapie bei Bakteriämie
News Netzwerk Infektiologie Nr. 29 (Dezember 2019)

Morbus Whipple: Initialdiagnose anhand von Urinproben

Der Morbus Whipple ist eine seltene chronische Infektion (verursacht durch Tropheryma whipplei, ein grampositives aerobes Stäbchenbakterium). Unterschiedliche Organe können befallen sein, dies erschwert eine frühzeitige Diagnose. Hinzu kommt, dass das grampositive Bakterium ubiquitär ist – dennoch erkranken nur wenige Personen, möglicherweise aufgrund einer spezifischen Immundefizienz, während viele Personen Träger des Bakteriums sind.

Bisher war für den Nachweis von T. whipplei eine Biopsie der befallenen Organe notwendig. Da dies nicht immer möglich ist, wurden alternativ Stuhl und Speichel der Patienten mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) untersucht. Zwar sind Prävalenz und Menge an T. whipplei bei Erkrankten deutlich höher als bei Trägern – eine Bestätigung bleibt erforderlich. Eine Gruppe deutscher Wissenschaftler hat nun eine neue, nicht-invasive Methode zum Nachweis des Bakteriums entwickelt und vorgestellt.

Urinproben von 12 therapie-naiven und 31 behandelten Whipple-Patienten wurden mittels PCR auf T. whipplei untersucht, als Kontrolle dienten Proben von insgesamt 110 gesunden Probanden oder Patienten, bei denen ein Morbus Whipple ausgeschlossen worden war.

In neun Urinproben der therapie-naiven und lediglich drei der 31 behandelten Whipple-Patienten wurde das Bakterium nachgewiesen, während das Ergebnis in allen Kontrollproben negativ war. Dies traf auch für gesunden Träger (n=11) von Tropheryma whipplei zu. Die Autoren schließen, dass eine Urinuntersuchung für die Initialdiagnose eines Morbus Whipple vor allem bei Patienten mit einer extraintestinalen Manifestation hilfreich sein könnte.

Abbildung: © ag visuell - Fotolia.com

Moter A et al. Potential Role for Urine Polymerase Chain Reaction in the Diagnosis of Whipple’s Disease. Clin Infect Dis. 2019 Apr 1; 68(7): 1089–1097.
Link zum Artikel (frei verfügbar)

Raoult D. From Whipple Disease to Tropheryma whipplei Infection. Clin Infect Dis. 2019 Mar 19;68(7):1098-1099.
Link zum Abstract (Artikel nicht frei verfügbar)


Beitrag weiterleiten


Sie möchten die News des Netzwerkes Infektiologie regelmäßig erhalten?

News bestellen

Dann tragen Sie sich hier ein - die News erscheinen 6x jährlich und sind jederzeit wieder abbestellbar.

Sie sind noch kein Mitglied im Netzwerk Infektiologie?

Mitglied im Netzwerk werden

Hier können sich infektiologisch interessierte Ärzte kostenfrei anmelden und die vielfältigen Vorteile des Netzwerkes nutzen.

News Netzwerk Infektiologie Archiv

News Netzwerk Infektiologie Nr. 34 (Juni 2020)
Antibiotika-Exposition und Asthma || Immunantwort nach HPV-Impfung || Globale Epidemiologie der Masern
News Netzwerk Infektiologie Nr. 33 (April 2020)
COVID-19 - Möglichkeiten zur Reduktion des Übertragungsrisikos in der niedergelassenen Arztpraxis – Schutz von Patienten und Personal
News Netzwerk Infektiologie Nr. 32 (März 2020)
Video der Fortbildungsveranstaltung "Coronavirus-Infektion - was Ärzte wissen sollten" vom 17.03.2020
News Netzwerk Infektiologie Nr. 30 (Februar 2020)
Erster Ebola-Impfstoff zugelassen || STI und PrEP || Zoster-Risiko bei immunsupprimierten Patienten
News Netzwerk Infektiologie Nr. 29 (Dezember 2019)
STI-Prophylaxe mit Doxycyclin || Morbus Whipple Diagnostik || Antibiotika-Therapie bei Bakteriämie
News Netzwerk Infektiologie Nr. 27 (August 2019)
Naturkatastrophen und Infektionen || Tb-Medikamentenresistenz in Deutschland || Schwere Infektionen bei Psoriasis-Patienten
Interaktionshotline Mitglieder des Netzwerkes können hier Fragen zu Wechselwirkungen stellen.
Anzeige: